Besteuerung Superreicher muss in den Koalitionsvertrag
- Liam Ess
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Union und SPD sollten Gerechtigkeitslücke schließen und keine Steuergeschenke verteilen
Anlässlich der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD fordert ein Bündnis von zehn Organisationen die Verhandler*innen auf, die Besteuerung Superreicher in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Die fatalen Tendenzen aus den vergangenen Jahrzehnten dürfen sich nicht fortsetzen.

Das Bündnis kritisiert insbesondere die aus den Koalitionsverhandlungen bekannt gewordenen steuerpolitischen Vorschläge von CDU/CSU scharf. Die bisherigen Zwischenergebnisse lassen erkennen: Die Union setzt auf die Fortführung einer ungerechten Steuerpolitik, die sehr große Vermögen schont und zentrale Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und Klimaschutz vernachlässigt.
Die Organisationen prangern an, dass es bislang keine Einigung auf Maßnahmen zur Besteuerung sehr hoher Vermögen gibt. Weder eine nationale Vermögenssteuer noch die Unterstützung einer international koordinierten Mindestbesteuerung von Superreichen, wie sie Brasilien im Rahmen der G20 vorgeschlagen hat, wurden bisher vereinbart. Auch die bestehenden Steuerprivilegien für große Erbvermögen bleiben aktuell unangetastet. Stattdessen plant die Union pauschale Steuersenkungen für Unternehmen, ohne sie an Investitionen zur Modernisierung zu koppeln. Zudem zeichnen sich milliardenschwere klimaschädliche Steuergeschenke für Agrardiesel und Klientelpolitik ab, wie etwa die Mehrwertsteuersenkung für einzelne Wirtschaftsbereiche.
Union und SPD haben in der kommenden Regierungszeit die Chance, eine klaffende Gerechtigkeitslücke im deutschen Steuersystem zu schließen.
Während die breite Mitte der Gesellschaft rund die Hälfte ihres Arbeitseinkommens für Steuern sowie Sozialabgaben aufbringen muss, zahlen Superreiche häufig nur 25 bis 30 Prozent – selbst unter Einbeziehung der Unternehmenssteuern.
Gleichzeitig verursachen sie durch ihr extrem klimaschädliches Verhalten enorme Kosten für die Allgemeinheit. Die Aussetzung der Vermögenssteuer, die Senkung von Unternehmenssteuern und weitere Steuerreformen der vergangenen Jahrzehnte haben vor allem Superreiche entlastet und sie aus der Verantwortung entlassen, ihren fairen Beitrag zur Finanzierung von Sozialstaat, Klimaschutz und anderen Gemeinwohlaufgaben zu leisten.
Organisationen:
AWO International e.V.
attac Deutschland
Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V.
Gemeingut in BürgerInnenhand
Germanwatch e.V.
Netzwerk Steuergerechtigkeit
Oxfam Deutschland e.V.
Sozialverband VdK Deutschland
taxmenow – Initiative für Steuergerechtigkeit e.V.
WEED e.V. – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung
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